Die Frage wie man sich selber motiviert, beschäftigt heute eine weit verästelte Gruppe von Pseudo-Wissenschaftlern. Sie möchten mit Rauchen aufhören, im Beruf vorwärts kommen oder ein paar Kilos verlieren? Kein Problem: Lebensberatung finden Sie in Büchern mit aufgedruckten Krawattenträgern, die Sie an jedem Kiosk vom Regalplatz neben den Groschenroman über Arztjungesellen anlächeln.
Ich liebe Ratgeber-Literatur. Ich selber habe kürzlich Getting Things Done gelesen, die aktuell meistbejubelte Offenbarung für organisationsfaule Menschen ohne Eigenantrieb. Ich war begeistert.
Via mein neues Lieblingsblog Imgriff bin ich auf die Top-20-Motivations-Hacks von Zen-Guru Leo Babauta (Auch ein GTD-Jünger) gestossen, eine Liste von Tipps und Tricks, die uns helfen sollen, den inneren Sauhund zu überwinden und Motivationsproblemen den Garaus zu machen.
Weil die Liste schön strukturiert ist, einen vielversprechenden Titel trägt und der Spannung halber bei Platz 20 beginnt, habe ich sie abgeschrieben. Als ich durch war, merkte ich allerdings, dass sie nichts taugt, fand es dann aber schade, die ganze Arbeit wieder wegzuwerfen (all die schönen Links). Deshalb poste ich sie trotzdem. Voilà:
20. Fortschritte aufzeichnen
19. Sich selber zurückhalten
18. Mitglied einer Gruppe mit gleichem Ziel werden
17. Hänge ein Bild deines Ziels an einer gut sichtbaren Stelle auf
16. Suche dir einen Buddy mit gleichem Ziel
15. Tu es einfach
14. Mach es zu einer angenehmen Sache
13. Gib dir Zeit und sei geduldig
12. Teile das grosse Ziel in kleinere Zwischenziele auf
11. Belohne dich, wenn du ein Zwischenziel erreichst
10. Such dir eine tägliche Inspiration
9. Nimm dir einen Coach oder Unterricht
8. Finde gute Gründe und schreib sie auf
7. Sei dir dem Drang bewusst
6. Regel: Niemals zwei Tage in Folge schwänzen
5. Visualisiere dein Ziel jeden Tag für 5 bis 10 Minuten
4. Führe ein Tagebuch über deine Ziele
3. Versuche dich mit jemandem zu messen
2. Bekenne dich öffentlich bei all deinen Freunden zu deinem Ziel
1. Denke positiv (Oje, das musste ja noch kommen)
Und jetzt muss mir nur noch jemand verraten, wie ich mich dazu motivieren soll, die Motivation zu finden, diese 20 Tipps zu befolgen.
David Allen ist der Moses der Selbstmanagement-Bewegung. Er ist vom Berg runtergestiegen und hat seine Gebotsammlung namens “Getting Things Done” verkündet. Es sind Verhaltensregeln für faule Säcke, die ihre Inbox nicht in den Griff kriegen. Darin behauptet er auch, dass die wahre Motivation für Sport in der Kostümierung liegt.
Wie viel öfter würde ich Joggen gehen, hätte ich einen so tollen Jogging-Anzug (Bild: BBC)
Allens Anhänger folgen ihm in quasi-religiöser Weise. Sie haben ihr ganzes Leben nach einem Flussdiagramm reorganisiert, sie beschriften Ablagen mit “action”, “hold” oder “tickler file”, sie notieren sich jeden Schritt, jede Bewegung, jede Handlung vor der Ausführung auf einer extra dafür vorgesehenen Liste, damit sie die Notiz nach der Ausführung wieder streichen können.
Ziel des Allenschen Kreuzzugs der Selbst-Organisation ist es ein mentaler Status zu erreichen, dem Nirwana ähnlich, in welchem man seinen Kopf völlig entleert hat und alle Informationen, Verpflichtungen, Arbeitsschritte auf einer Liste des Vertrauens notiert hat.
Natürlich hat der Guru der Selbst-Organisation auch eine Meinung dazu, wie man sein Fitness-Training gemacht kriegt. Es ist ganz einfach; man muss sich nur selber austricksen. Im Fall von Allen funktioniert das mit einem Kostüm:
“My best trick is costume - the clothing I put on or take off. If I put on exercixe gear, I’ll start to fell like exercising; if I don’t, I’m very likely to feel like doing something else.” (S. 86)
Ich habs probiert. Funktioniert nicht. Ich finde aber auch Fasnacht doof. Das Buch ist dennoch toll, mindestens so hilfreich, wie das Alte Testament. Aber nur kaufen, wenn du auf diesen Link klickst, sonst hab ich nichts davon.