Obwohl mir die Wortschöpfung “Exergaming” etwa so gut gefällt wie Hundekot auf dem Bordstein (vgl. Exergaming: Bitte umbenennen) hat sie einen grossen Vorteil:
Mangels alternativer Bezeichnungen für die Verbindung von Sportgeräten und Videospielen ermöglicht “Exergaming” als distinkter Suchbegriff eine relativ umfassende Internet-Recherche, die ein Grossteil aller vorhandener Informationen findet. Denn der Begriff hat keine weiterfassenden Bedeutungen und taucht deshalb ausschliesslich auf Seiten auf, die sich mit dem Thema beschäftigen.
Exergaming kennt man bis anhin vor allem in den USA, dem Land der dicken Kinder, dicken Burgern und dicken Zeitbudgets für Videospiele. Englischsprachige Seiten zu “Exergaming” sind aus diesem Grund auch unübersichtlich zahlreich und vielfältig vorhanden.
Interessanter ist es deshalb, die Entwicklung der Idee im deutschen Sprachraum zu verfolgen, wo Exergaming erst langsam ankommt. Ich benutze dazu die Suche von Google.de mit der Option “nur Seiten auf Deutsch” und dem Suchbegriff “Exergaming“.

So siehts bei Google aus.
Zum Stand vom 16. Dezember findet Google 33 Seiten zu Exergaming (wenn übersprungene Ergebnisse ausgeblendet werden). Davon sind fast die Hälfte Doppeleinträge, die im Folgenden nicht gelistet werden.
1. Sporle.de. Sporle.de beschäftigt sich mit Fitnessspielen für alle Plattformen. Fast täglich gibt es neue Postings, vor allem mit News zu Spielen für den Wii. Aktuell gerade mit vielen Updates aus dem Verkaufsstart von Wii-Fit in Japan. Wie bereits gestern erwähnt versuchten die Macher mit der Kreation des Wortes “Sporle” eine deutsche Alternative zu “Exergaming” zu schaffen, meiner Meinung nach auch nicht gelungen, wahrscheinlich weils in meinem Ohr tönt wie “Schorle”. Aber ansonsten eine gute Seite mit Testberichten und Forum.
2. Linksammlung auf Yahoo360°. Und dann gehts schon los mit den Linksammlungen.
3. Mr Wong. Noch eine Linksammlung, diesmal in Form von Social Bookmarks.
4. Exergaming: Wii soll Sportgerät werden - Bitreactor Board. Eine Ankündigung von Nintendo aus dem Jahr 2006, welche den Wii als Sportgerät positionieren will.
5. Machine Dance. Eine Site, die sich mit dem Tanzspielen wie DDR beschäfitgt. Besonders nützlich ist das Verzeichnis zu Exergames.
6. Kewego. Videosite, mit einem PR-Video zum ShootPad.
7. The Inquirer. Beitrag zu obiger Ankündigung, dass Wii ein Sportgerät werden soll.
8. Geemag.tv. Wieder Videosite die Exergaming als Kategorie führt.
9. Deutschlandfunk. Beitrag, der sich mit Anglizismen in der Computersprache beschäftigt.
10. Bigg.net. Ein Artikel über diverse Studien in den USA, die Videospielen eine gesundheitsfördernde Wirkung attestieren.
11. Domain People. Eine ungeführte Diskussion in einem Domainnamen-Forum zur Domain exergaming.de.
12. Freigeisterhaus. Off Topic.
13. Produkt und Projekt. Im Resultate-Text von Google steht vielversprechend: “Der wohl bedeutenste Software-Konzern und Hersteller einer Spielekonsole interessiert sich nun auch für mein Exergaming-Produkt.” Leider scheint der betreffende Beitrag von der Webseite entfernt worden zu sein.
14. OpenPR. Pressemitteilung zur Lancierung von Sporle.de.
15. Handelsblatt.com - Computer als Fitnessmaschine. Ein Artikel vom Oktober 07 aus dem Handelsblatt. Basierend auf einer Übersetzung einer Bloomberg-Agenturmeldung werden DDR, Nintendo Wii, Expresso-Fitness und Game Runner vorgestellt. Natürlich kommt auch der obligate Kampf gegen Fettleibigkeit und Adipositas zu Wort und schliesslich wird ein Trend erkannt, wonach immer mehr Investoren Geld in dies Art von Computerspiele stecken werden.
16. Wikio.de. Linksammlung ohne interessante Links.
17. Lufee Nachrichten. Unnütze Linksammlung.
Fazit: Die Exergaming-Bewegung scheint im deutschen Sprachraum noch keine besonders weite Verbreitung gefunden zu haben. Lediglich die Seiten Sporle.de, Bitreactor, Machine Dance, und Handelsblatt.com enthalten relevante Informationen.
Das liegt natürlich zum einen daran, dass auch einige andere Bezeichnungen als Exergaming wie beispielsweise die weniger populären Exertainment, Gamercise oder Sporle im Äther rumgeistern oder auch daran, dass einige Websites wie beispielsweise der Game-Ergometer-Hersteller Daum keinen übergeordneten Begriff verwenden und diese dementsprechend bei der Suchabfrage auch nicht gefunden werden.
Dennoch gehe ich davon aus, dass die Anzahl Treffer in näherer Zukunft stetig wachsen wird. Diese Entwicklung wird an dieser Stelle mit einem regelmässigen Update verfolgt.
Die Schöpfer des Begriffs “Exergaming” haben der guten Sache, für die es steht, einen Bärendienst erwiesen: indem sie es “Exergaming” genannt haben.
“Exergaming” ist ein Kotzbegriff. Ein Wort, so hässlich, dass es bei mir einen bei Brechreiz auslöst. Die Schöpfer dachten sich wohl, dass sich die Fusion von Fitness-Training (Exercise) und Videogames auch auf der begrifflichen Ebene vollziehen muss: Wie sich gezeigt hat, war das ein Irrtum.
Denn herausgekommen ist ein Bastard; ein Neologismus, zusammengesetzt aus zwei Worten, die schon alleine-stehend nicht mehr Sex versprühen als Begriffe wie “Bruttosozialsprodukt”, “Zivilisationskrankheit” oder “USB-Schittstelle”.
Und das ist verdammt schade, weil in der Bedeutung steht “Exergaming” für wirklich geile Sachen: First-Person-Ego-Shooter-Laufbänder, Nintendo-Wii-Tennnis, Dance-Dance-Revolution und eine Menge Sport-Spiele, die uns in Zukunft noch erreichen werden.
Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Snowboard-Champion, Fussball-Weltmeister oder Beachvolleyball-Olympia-Sieger. Sie werden Ihr ganzes Leben an Bartresen hocken oder in feinen Gesellschaft verkehren und stolz von ihren Leistungen erzählen. Wenn Sie jedoch ein internationales Wii-Tennis-Turnier gewonnen haben, werden Sie sich wohl kaum als Weltmeister in “Exergaming” bezeichnen.
Doch die Zeit spielt gegen uns: Die Macmillan Dictionaries haben den Begriff diese Woche zum “Word of the Week” gemacht und es offiziell in das Wörterbuch aufgenommen. Eine weiterer Schritt auf dem Weg zur Unvermeidbarkeit einer Wortkatastrophe.
Das Problem sitzt tief. Darüber waren sich bestimmt auch die Wortschöpfer bewusst. Ich bin bis jetzt keiner guten Alternative begegnet. Worte wie das weiterfassende “Exertainment” oder das in der Reihenfolge verkehrte “Gamercise” sind eher noch schlimmer als “Exergaming”. Der Versuch des deutschen Kollegen “Sport” und “Spiele” zu “Sporle” zusammenzuziehen, überzeugt mich auch nicht hundertprozentig.
Ich rufe Sie deshalb auf: Senden Sie mir Vorschläge, die eine begriffliche Heimat bieten für Sportarten, die unter Einsatz körperlicher Bewegung auf Gamekonsolen oder über Internet gespielt werden können. Ansonsten wird das Genre “Exergame” demnächst aus den Regalen der Spiel- und/oder Fitness-Geschäfte verschwinden oder dort gar nie ankommen. Kontakt>>
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