Auch heute hat mein RSS-Reader wieder ein paar Beiträge an Land gespühlt, in denen sich Menschen rund um die Welt mit Exergaming beschäftigen:
Die letzten paar Tage gabs hier keinen einzigen Eintrag. Wir waren aber während der Weihnachtszeit nicht etwa faul am Braten essen, nein, wir haben hart gearbeitet. Und zwar haben wir uns ein grandioses Exergame-Directory gebastelt. Es sammelt Informationen zu allen Geräte und Games, die Videospiele und Fitness verknüpfen. Das Exergame-Directory soll ab jetzt ständig ausgebaut und erweitert werden.
Bereits vorhanden sind je ein Eintrag zu Netathlon, Gamebike und Wii Sports.
XRKade ist eine von diversen Video-Game-Fitness-Ketten In den USA. Neue Niederlassungen poppen überall Im Land auf und demnächst auch in China. Kinder erhalten dort die Gelegenheit Arkade-Games zu spielen, welche einen höheren Aktivitäsgrad voraussetzen, als das Bewegen von Daumen und Zeigefinger. Der Trick: XRKade gibt vor eine Spielhölle zu sein, bietet aber nur Spiele an, die heimlich körperliche Bewegungen in die Game-Sessions schmuggeln.
Kult ist das PR-Video. Es transportiert eine ähnliche Ästhetik wie die katholischen Kirche, wenn sie versucht, die Jugend für die Religion zu gewinnen:
Im Angebot von XRKade sind die üblichen Verdächtigen: DDR, XBoard und andere Bewegungs-Games. Ausgerüstet wird XRKade von ITechFitness, die auch Geräte herstellen.
Ein ähnliches Konzept wie XRKade verfolgen die Angebote von Xrtainmentzone, NexGym und Bulldog Interactive Fitness, welchen ich mich zu einem späteren Zeitpunkt widmen werde.
(Via Gizmodo, The Arizona Rebublic, core77, Community Mobilization, Ideentower)
Die Schöpfer des Begriffs “Exergaming” haben der guten Sache, für die es steht, einen Bärendienst erwiesen: indem sie es “Exergaming” genannt haben.
“Exergaming” ist ein Kotzbegriff. Ein Wort, so hässlich, dass es bei mir einen bei Brechreiz auslöst. Die Schöpfer dachten sich wohl, dass sich die Fusion von Fitness-Training (Exercise) und Videogames auch auf der begrifflichen Ebene vollziehen muss: Wie sich gezeigt hat, war das ein Irrtum.
Denn herausgekommen ist ein Bastard; ein Neologismus, zusammengesetzt aus zwei Worten, die schon alleine-stehend nicht mehr Sex versprühen als Begriffe wie “Bruttosozialsprodukt”, “Zivilisationskrankheit” oder “USB-Schittstelle”.
Und das ist verdammt schade, weil in der Bedeutung steht “Exergaming” für wirklich geile Sachen: First-Person-Ego-Shooter-Laufbänder, Nintendo-Wii-Tennnis, Dance-Dance-Revolution und eine Menge Sport-Spiele, die uns in Zukunft noch erreichen werden.
Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Snowboard-Champion, Fussball-Weltmeister oder Beachvolleyball-Olympia-Sieger. Sie werden Ihr ganzes Leben an Bartresen hocken oder in feinen Gesellschaft verkehren und stolz von ihren Leistungen erzählen. Wenn Sie jedoch ein internationales Wii-Tennis-Turnier gewonnen haben, werden Sie sich wohl kaum als Weltmeister in “Exergaming” bezeichnen.
Doch die Zeit spielt gegen uns: Die Macmillan Dictionaries haben den Begriff diese Woche zum “Word of the Week” gemacht und es offiziell in das Wörterbuch aufgenommen. Eine weiterer Schritt auf dem Weg zur Unvermeidbarkeit einer Wortkatastrophe.
Das Problem sitzt tief. Darüber waren sich bestimmt auch die Wortschöpfer bewusst. Ich bin bis jetzt keiner guten Alternative begegnet. Worte wie das weiterfassende “Exertainment” oder das in der Reihenfolge verkehrte “Gamercise” sind eher noch schlimmer als “Exergaming”. Der Versuch des deutschen Kollegen “Sport” und “Spiele” zu “Sporle” zusammenzuziehen, überzeugt mich auch nicht hundertprozentig.
Ich rufe Sie deshalb auf: Senden Sie mir Vorschläge, die eine begriffliche Heimat bieten für Sportarten, die unter Einsatz körperlicher Bewegung auf Gamekonsolen oder über Internet gespielt werden können. Ansonsten wird das Genre “Exergame” demnächst aus den Regalen der Spiel- und/oder Fitness-Geschäfte verschwinden oder dort gar nie ankommen. Kontakt>>
“This [Exergaming] is like adding vitamins to junk food rather than just eliminating junk food from the diet.”
Ein skeptischer junger Mann über Exergaming. Sein Alternativvorschlag:
“I think what is needed is to plug the TV and video games into a generator that must be peddled by the user in order for them to have power. When the peddling stops, off goes the video. There must be an inventive parent that has already implemented this one. Next they’ll be adding antioxidants to tobacco products.”
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