Grade vorgestern hatte ich noch behauptet, dass die Exergaming-Bewegung im deutschen Sprachraum noch keine besonders weite Verbreitung gefunden hat. Doch ich hatte vergessen, dass sich die hiesige Presse selber und freiwillig zensuriert, indem sie sich aus dem Google-Index aussperrt.
Aus diesem Grund dürften viele Beiträge zum Thema nicht bei Google zu finden sein und somit auch keinen Eingang in meine kleine Untersuchung gefunden haben. Nun bin ich zufällig über einen Artikel des Zürcher Tages Anzeigers (drittgrösste Zeitung der Schweiz) aus dem Jahr 2005 gestolpert.
Anlass für den Artikel war für Autor Christian Bütikofer vor allem der “Erfolg” von «Yourself Fitness» in den USA. Ferner wurden die Themen Eyetoy Kinetic, Dance Dance Revolution, Frank Hu (Harvard University) und Adipositas angeschnitten.
Auf jeden Fall ein Artikel für die Sammlung
Link: 20.12.2007, Tages Anzeiger: Statt fett mit Lara fit mit Maya
Reuters röstet heute die Geschichte des Amerikaners, der sich mit dem Spielen von Wii-Titeln von einem Herzschlag erholt. In einem Spital in Alberta (Kanada) soll der Wii auch eingesetzt werden bei Patienten mit Rückenmarks- und Hirnverletzungen.
Ganze Geschichte:
Reuters: Physical therapists prescribe Wii time
Im Spital, wo ich regelmässig operiert werde, gibts leider keinen Wii zur Erholung; nur einen Clown. Der kann etwa so gut unterhalten, wie Rolf Knie malen.
“I never knew you could play Wii and still get a workout from it.”
Erkenntnis des Achtklässlers Brian Hanks der Perry Middle School irgendwo im Speckgürtel der USA. Er und seine dicken Mitschüler müssen sich nicht mehr davor fürchten, zu letzt in die Fussballmannschaft gewählt zu werden. Denn sie dürfen in der Turnhalle nun Videogames wie Wii-Tennis, Gamebike oder DanceDanceRevolution spielen.
Ganze Story:
Dispatch.com: ‘Exergaming’ to fitness
Bis anhin sind wir davon ausgegangen, dass das richtige Leben Pate steht für die Entwicklung von Computerspielen. Rex Sorgatz vom Wired-Magazin stellt diese These in der Novermber-Ausgabe auf den Kopf: Spiele sind Vorbild des richtigen Lebens.

Ich bin echt dreckig dran. Meine Status-Anzeige ist nur noch auf 39
Sorgatz begründet dies mit der Motivation, die ein Spiel für unser tägliches Leben bietet:
“We use game models to motivate ourselves, to answer questions, to find creative solutions. For many, life itself has turned into a game.”
Als Beweis führt er folgenden Beispiele an:
Seine Beispiele überzeugen mich zwar nicht durchwegs, dennoch ist seine These eine lustige Perspektivendrehung. Treffend finde ich das ich das Bild vom Leben als “health bar”
And as we play through our lives, we don’t reach for a Coke — the pause that refreshes. Instead we grab a high-octane energy drink, a liquid power-up to refill our health bar.
Für viele Dinge kann man sich tatsächlich besser motivieren, wenn man ein Spiel oder einen Wettbewerb draus macht. Man sieht dies beispielsweise bei Börsenfuzzis, die ihren Bonus optimieren um möglichst die Highscore zu erreichen. Hackern, die Systeme austricksen für Ruhm und Ehre, oder nicht zu letzt in Social Networks wie Facebook oder Myspace, wo sich Menschen um die Anzahl Freunde konkurrenzieren. Eigentlich möchte jeder mit möglichst wenig Anstrengung, möglichst viel herausholen. Sorgatz macht hier den tonangebenden Trend unserer Zeit aus:
“Gaming the system has become the prevailing narrative of our time.”
Einen wichtigen Lebensbereich, wo das Spiel immer schon der vorherrschende Modus war, lässt Sorgatz jedoch aus: Der Sport. Wo sind die Computerspiele, die als Vorbild für die körperliche Betätigung herhalten?